ReBalancer-Projekt
Was wäre, wenn es eine kurze körperliche Übung gäbe, die das Sturzrisiko noch am selben Tag und für mehrere Monate reduzieren würde? Würden Sie dies ausprobieren? Das sogenannte Stolpertraining ist eine einmalige, bei Bedarf jährlich wiederholbare, Art der Sturzprävention. Was es dafür braucht ist ein Laufband und eine spezielle Robotik.
Aktueller Stand: Aufbau des Stolpertrainings im SturzZentrum Schweiz
Eckdaten: 01.07.2025 – 31.12.2026
Beim Stolpertraining wird das Gehen auf einem speziellen Laufband geübt, bei dem in einer sicheren Umgebung gezielt kleine Störimpulse ausgelöst werden. Diese Impulse lassen Sie spüren, wie es sich anfühlt zu stolpern, ohne dass Sie dabei stürzen können, da Sie durch ein Gurtsystem gut gesichert sind. Durch diese wiederholten Stolpersituationen lernt das Gehirn, schneller auf unerwartete Bewegungen zu reagieren. Es werden alte, bereits einmal gelernte Reaktionen und Ausgleichsstrategien neu aktiviert und gespeichert. So können Sie im Alltag eventuell besser reagieren und das Risiko für Stürze verringern. Das SturzZentrum bietet dieses spezielle Stolpertraining in Zürich für alle Interessierten an. Es ist eine einmalige Übung und kann bei Bedarf jährlich wiederholt werden. Eine Trainingseinheit dauert etwa eine Stunde.

Meilenstein: 100ster Teilnehmender
Das Stolpertraining wurde mithilfe der ersten 100 Teilnehmenden hinsichtlich Effektivität, Machbarkeit und Zufriedenheit evaluiert. Das Durchschnittsalter der interessierten Personen betrug 75 Jahre (min: 60, max: 90 Jahre). Von 100 Teilnehmenden brachen 3 das Training vorzeitig ab, weitere 3 waren zur Nachbeobachtung nicht mehr verfügbar (6% Dropout-Rate). 77% der Teilnehmenden berichteten im Anschluss nach durchschnittlich 7 Monaten eine gesteigerte Achtsamkeit im Alltag, die Zahl der Stürze sank im untersuchten Nachbeobachtungszeitraum relativ zum Vorjahreszeitraum (RR: 0.6; 95% CI: 0.4–0.9). Die Zufriedenheit war hoch: 88% würden das Training weiterempfehlen, 67% jährlich erneut teilnehmen. Teilnehmende aus zehn Kantonen belegen die gute Umsetzbarkeit und das Potenzial zur örtlichen Ausweitung.

Meilenstein: Entwicklung des ReBalancer Prototypen fürs SturzZentrum
Der Prototyp des ReBalancer wurde vom Dartlab @ Lake Lucerne Institute für das SturzZentrum zusammengestellt. Die sensible Robotikeinheit ist das Kernstück des ReBalancer. In dieser Phase steht die Entwicklung im Vordergrund und es finden erste Sicherheitstests statt. 10 Testteilnehmer werden Feedback zur Machbarkeit und Akzeptierbarkeit des Perturbations-Trainings gemäss dem in der Pilotstudie entwickelten Protokolls geben.

Meilenstein: Pilotstudie
Pilotstudie am Institut für Biomechanik, ETH Zürich und Dartlab @Lake Lucerne Institute
Die Wirksamkeit und die Akzeptanz des notwendigen Trainingprotokolls wurde in einer Pilotstudie (n=60) an zwei Standorten in der Schweiz, dem Institut für Biomechanik der ETH Zürich sowie dem Dartlab @Lake Lucerne Institute evaluiert. Die Forschungsfrage war: Kann ein einmaliges Kurztraining von 20-30 min auf einem speziellen Laufband ausreichen, um danach für 3-6 Monate ein niedrigeres Sturzrisiko zu haben? Erste Erkenntnisse aus der Forschung deuteten genau darauf hin. Wie dieses Training aufgebaut sein musste, damit es einmalig durchgeführt werden konnte, war Gegenstand der Pilotstudie. Zusätzlich wollte die Studie Zweifel am eigenen Gleichgewicht und Auswirkungen auf Bewegungsverhalten und Gangstabilität miteinander vergleichen. Die Studienteilnehmer wurden zweimal für ca. 2 Stunden je nach Standort an das Institut für Biomechanik, ETH Campus Hönggerberg, 8093 Zürich oder zu cereneo – Zentrum für Neurologie und Rehabilitation, Seestrasse 18, 6354 Vitznau eingeladen. Zwischen Mess- und Kontrolltermin nach drei Monaten hatten die Studienteilnehmer keine Auflagen. Während sechs Monaten wurden sie durch monatliche Telefonanrufe begleitet.

Meilenstein: Kickoff
Im November 2021 durchliefen die ersten beiden Testteilnehmerinnen das gesamte Studienprotokoll von knapp drei Stunden Länge. Gemeinsam mit Frau Barbara Pfenninger von der Beratungsstelle für Unfallverhütung BFU und dem Team der beiden Forschungspartner ETH Zürich und der cereneo foundation war dies der Startschuss zur Pilotstudie „Optimierung und Validierung des Studienprotokolls für ein einmaliges Kurztraining als Sturzprävention“.
„Das finde ich gut. Kann ich das irgendwo als Dienstleistung machen?“
Wie alles begann…
In einem der Fachvorträge stellten die Referentinnen des SturzZentrums eine neue Art der Sturzprävention vor, die in der Forschung untersucht wurde, die jedoch nirgendwo als Angebot in der Schweiz oder einem anderen europäischen Land erhältlich war. Aus der Reaktion der Vortragsteilnehmer entstand ein ganzes Projekt.
Dieses Projekt wird freundlicherweise unterstützt von:


Das ReBalancer-Projekt ist ein Projekt, das in enger Zusammenarbeit zwischen dem Labor für Bewegungsbiomechanik der ETH Zürich, dem Dartlab @ Lake Lucerne Institute und dem SturzZentrum Schweiz entstanden ist. Es möchte perturbationsbasiertes Balancetraining (PBT) einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen. Ein Unterfangen, das dadurch erschwert wird, dass die notwendige Technologie zu dieser effektiven Art der Sturzprävention bislang vornehmlich grossen spezialisierten Gesundheitsinstitutionen vorbehalten ist. Dadurch hat eine grosse Mehrheit der interessierten und sturzgefährdeten schweizerischen Bevölkerung bisher keinen Zugang zu dieser Art der einmaligen Sturzprävention. Das möchten wir ändern. Stolpertraining soll für ALLE zugänglich sein. Dafür setzen wir uns ein: Von der Forschung direkt in die Bevölkerung.
